SPD Grebenstein verliert absolute Mehrheit

KOMMUNALWAHL – Grebenstein Direkt ist der Wahlsieger – Künftige Machtverhältnisse offen

VON MICHAEL RIESS HNA 16.03.2021

Grebenstein – Einem politischen Erdbeben kommt das Wahlergebnis in Grebenstein gleich. Die SPD, die seit Menschengedenken die absolute Mehrheit im Stadtparlament hat, verlor 14 Punkte auf nur noch 40,4 Prozent und hat nur noch 12 (bisher 17) der 31 Sitze. „Wir sind tief enttäuscht“, meinte Fraktionschef Wilhelm Neutze, der nicht ins Parlament gewählt wurde. .

Freude herrschte hingegen bei den Wahlgewinnern. Die erst im Dezember gegründete neue politische Kraft „Grebenstein Direkt“ (GsD) schaffte aus dem Stand über 27 Prozent und ist jetzt zweitstärkste Kraft. „Wir hatten vielleicht mit knapp 20 Prozent gerechnet, aber nicht damit“, strahlte Spitzenkandidat Daniel Klein.

Warum es zu den hohen Verlusten für die SPD kam, ist für Neutze schwer erklärlich. „Wir haben gute Arbeit geleistet“, sagt er und verweist auf Bauland, das man geschaffen habe, auf Straßenbeiträge, die auf Betreiben der SPD abgeschafft wurden und das Glasfasernetz, das man ständig anmahnte. Auch personell bot die SPD vor allem jene Kräfte, die sich „in den letzten Jahren bewährt haben“, wie Neutze sagt. Der Wähler hat das offensichtlich nicht honoriert. Er wollte wohl vor allem neue Gesichter – und die gab es bei der GsD. Sie setzte auf die mittlere Generation (nur ein Kandidat war über 60) und auf Personen, die im Ort bekannt sind.

Als die neue Liste publik wurde, schwante den kleineren Fraktionen bereits, dass es für sie schwer werden würde. „Dass die neue Liste allen anderen Stimmen wegnehmen wird, war doch klar“, sagt beispielsweise Herbert Christ, der den Sprung ins Parlament über die FDP-Liste knapp verpasste. Dass sich der Stimmenanteil der Liberalen aber fast halbierte, sei bitter. Die Liberalen haben jetzt nur noch zwei Sitze.

Erleichtert war die CDU, dass sie angesichts der neuen Kraft nur zwei ihrer zuvor zehn Sitze verlor. „Da können wir zufrieden sein“, sagte CDU-Vorsitzender Björn Gibhardt. Er begrüße ausdrücklich, dass sich eine neue Kraft, mit neuen Ideen engagiert. Gibhardt: „Das befürworte ich sehr.“ Dass die Union 33,5 auf 25,7 Prozent absackte, sei bedauerlich.

Welche Konsequenzen die neuen Kräfteverhältnisse im Parlament haben, war gestern nicht absehbar. In den nächsten Wochen wird es hinter den Kulissen zu vielen Gesprächen kommen. Bislang stellte die SPD mit dem Ersten Stadtrat, dem Parlamentschef und den Ausschussvorsitzenden die exponierten Mandate. All das ist offen. Allein durch eine Zusammenarbeit von GsD und CDU würde bei der Besetzung des Magistrats der Erste Stadtrat kein SPD-Mann mehr sein. Seit Jahren ist dies Horst Wolff, der auch diesmal wieder das beste Einzelergebnis einfuhr. Mit 2184 Stimmen lag er deutlich vor Parteifreund Sven Paukstat (1884) und Hannes Drube, dem Zugpferd der GsD, der 1714 Stimmen holte.

Bei der GsD denkt man noch nicht an mögliche Machtkonstellationen. Ziel sei es, offene Diskussionen im Parlament zu führen und den Bürgerwillen dorthin zu tragen, sagte Daniel Klein. Zu personellen Entscheidungen wollte er sich gestern noch nicht äußern, „aber wenn jemand seine Sache gut gemacht hat, warum soll er es dann nicht weitermachen?“, meinte er.