Neue Liste mit bekannten Namen bedroht absolute Mehrheit der SPD VON MICHAEL RIESS HNA Bei der Kommunalwahl am 14. März werden die Parlamente in den Städten und Gemeinden gewählt. Wir stellen jeweils kompakt zusammen, wer dabei mit welchen Zielen antritt. Heute: Grebenstein. Grebenstein – Mitten in der Coronapandemie werden auch in den Kommunen im Kreisteil die politischen Weichen für die nächsten fünf Jahre neu gestellt. In Grebenstein sind bisher drei Fraktionen im Gemeindeparlament vertreten – alle drei treten auch wieder an. Hinzu kommt als neue Gruppierungen der Wahlvorschlag „Grebenstein Direkt“. Die Kommune Grebenstein hat rund 5700 Einwohner und besteht aus der Kernstadt sowie den Ortsteilen Burguffeln, Schachten und Udenhausen. Zur Wahl der Stadtverordnetenversammlung sind in diesem Jahr 4775 Wahlberechtigte. Bei der Kommunalwahl am 6. März 2016 gaben 2554 von damals 4688 Wahlberechtigten ihre Stimme für die Gemeindewahl ab, die Wahlbeteiligung lag damit bei 54,5 Prozent. Die SPD holte mit 54,4 Prozent die absolute Mehrheit (17 Sitze). Die CDU kam auf 33,5 Prozent (10 Sitze), die FDP auf 12,1 Prozent (4 Sitze). Im Magistrat, zu dem auch Bürgermeister Danny Sutor (parteilos) gehört, sieht die Verteilung so aus SPD: 4 Sitze, CDU: 2 Sitze, FDP: 1 Sitz. Die Themen Die Zahl der Themen ist in Grebenstein derzeit so groß wie selten: Schaffung von Bauland, Sanierung des Freibades, Nutzung der Burgruine, Bau eines Kindergartens und Kurve Kassel sind nur einige. Und dann gibt es noch die Gestaltung des Marktplatzes. Da allerdings halten sich die Bewerber zurück. Sie sagen nur, dass es ein wichtiges Thema ist, aber nicht welchen Standpunkt sie vertreten. Augenscheinlich ist man noch offen und will das Ergebnis des angekündigten Bürgerdialogs abwarten. Auffälligkeiten So spannend wie diese Wahl war selten eine zuvor. Die SPD stellt in Grebenstein seit Jahrzehnten die absolute Mehrheit. Mit der Liste Grebenstein Direkt (GsD) tritt nun erstmals eine neue Kraft an, auf der viele in Grebenstein bestens bekannte Namen stehen. Zudem ist der Altersdurchschnitt der Bewerber vergleichsweise gering: Nur zwei Kandidaten sind über 50 Jahre alt. Auffallend: Ein Kandidat bei der GsD ist Kord Kayser, dessen Frau Julia auf der FDP-Liste um Wählerstimmen wirbt. Es ist die einzige „parteiübergreifende“ familiäre Partnerschaft. Ansonsten finden sich oftmals Ehepaare – allerdings auf der gleichen Liste – unter den Kandidaten: Mit Mathias und Eveline Roth sowie Christiane und Klaus-Peter Vogt beispielsweise gibt es bei der SPD zwei Ehepaare, bei der GsD sind es deren drei mit den Ehepaaren Rehm, Seuthe und Schindewolf und bei der Union kandidieren Jana und Timo Opfermann. Die SPD 27 Kandidaten präsentiert die SPD. Spitzenkandidat ist erneut Horst Wolff, der schon vor fünf Jahren die meisten Stimmen einfuhr. Der Verwaltungsangestellte a.D. ist 67 und wohnt in der Kernstadt. Auf der Prioritätenliste oben steht die Schaffung ausreichender Kindergartenplätze und eine gute Betreuung. Deshalb habe man sich für eine Erweiterung am jetzigen Standort ausgesprochen. Ein weiteres Hauptziel betreffe die Mobilität (Barrierefreier Zugang zu den Bahngleisen, Aufnahme von Grebenstein in den NVV-Tarif Kassel Plus; gute Anbindung der Stadtteile an die Kernstadt und Verhinderung der Kurve Kassel). Zudem solle die Stadt durch die Ausweisung erschwinglichen Baulands (auch in den Ortsteilen) für junge Familien attraktiv bleiben. Eine Schließung von innerörtlichen Baulücken werde begrüßt. Internet: spd-grebenstein.de; Facebook: SPDGrebenstein; Instagram: spdgrebenstein Die CDU 35 Kandidaten stehen auf der Liste der CDU. Angeführt wird sie von Melanie Burghardt (Friedrichsthal). Die Diplom-Verwaltungswirtin ist 47 Jahre alt. „Nur weiter so reicht uns nicht“, hat die Union ihr Programm überschrieben, stellt eine ganze Reihe von Forderungen und verweist auf ihr umfangreiches Wahlprogramm. Unter dem Stichwort Stadtentwicklung nennt sie die Burgruine (Schaffung von Toiletten und Nutzung für Trauungen und Feste) und die Reduzierung des stadteigenen Immobilienbestandes. Bei der Sanierung des Freibades verweist sie auf ihr Konzept, das gesamte Areal samt Sportstätten aufzuwerten. Zudem sei sie für den Neubau des Kindergartens im Sauertal. Und schließlich gibt es noch einen Strauß von Einzelforderungen, wie Kastrationspflicht für freilaufende Katzen, mehr E-Ladestationen für Autos und Räder, sowie eine Stärkung des digitalen Bürgerservice, damit mehr Angelegenheiten von zu Hause aus erledigt werden können und kein Gang zum Rathaus nötig ist. Internet: cdu-grebenstein.de Die FDP Spitzenkandidatin der FDP ist die Fachlehrerin Heike Giede-Jeppe. Die 61-Jährige wohnt auf dem gleichnamigen Hof östlich der Kernstadt. Die Liste der Liberalen umfasst elf Bewerber. Man müsse dem Landleben mehr Leben geben, sagt die FDP und spricht sich für die Möglichkeit von Online-Petitionen für Bürger ein. Das sei bürgernah. Die Kurve Kassel müsse verhindert werden. Auch neue Baugebiete am Ortsrand (mit weiten Wegen zum Zentrum) lehnt die FDP ab. Wichtig sei hingegen der Bau einer E-Tankstelle. Auf den Kindergarten eingehend fordert die FDP eine Erweiterung und Optimierung sowie den Ausbau von Hortplätzen. Zudem weißt die FDP darauf hin, dass durch die Pandemie die Einnahmen der Stadt sinken werden. „Wir müssen sparen und kluge Entscheidungen treffen, wie den Ausbau interkommunaler Zusammenarbeit“, schlagen die Liberalen vor. Internet: fdp-grebenstein.de; Facebook: FDP-Grebenstein Die GsD Mit 24 Bewerbern tritt die Liste Grebenstein Direkt (GsD) an. „Die Rolle eines Spitzenkandidaten gibt es bei Grebenstein Direkt nicht“, da man keinen Bewerber besonders herausheben wolle, teilte Daniel Klein (Jahrgang 83, Pädagoge, Kernstadt) mit, der auf Platz eins der Liste steht. Als Ziele setzt sich die GsD, die Interessen von Bürgern „stärker in die politischen Entscheidungsprozesse und Diskussionen einfließen“ zu lassen. Die Bereiche Soziales, Kultur und Tourismus sollen zukünftig eine stärkere Aufmerksamkeit bekommen. Entsprechende Gremien und Netzwerke müssen ins Leben gerufen werden, fordert die GsD weiter. Und schließlich müsse die Infrastruktur aller Ortsteile gesichert und verbessert werden. Die Nahversorgung und die Nahverkehrsanbindung spielen dabei eine zentrale Rolle. Internet: grebestein-direkt.de